Thüringen, das grüne Herz Deutschlands, lockt Touristen durch „Schiller-Goethe-Weimar“, Wintersport in Oberhof und Natur im Thüringer Wald. Die Landesregierung des Freistaates ist stets bemüht, die Wirtschaft mehr und mehr aufblühen zu lassen.
Aber wie wirkt sich dies auf den Erfurter Flughafen aus? Wie läuft der Thüringer Landeshauptstadt-Flughafen? Die Antwort kurz und schmerzhaft: Schlecht, wie immer...
Mal wieder steht der größte Flughafen Thüringens (ja, Sie haben richtig gelesen, Thüringen hat nämlich zwei mehr oder weniger nennenswerte Flughäfen) kurz vor der Bedeutungslosigkeit. Die Zahl der Schuldigen ist groß, aber einen Hauptschuldigen gibt es nicht. Man hat das Gefühl, die zivile Luftfahrt im Freistaat rutscht von einer Depression in die nächste. Eine Hochkonjunktur wurde noch nie erlebt, höchstens leichte Anzeichen einer Erholung.
Zum einen ist da die Thüringer Landesregierung um den Verkehrsminister Gerold Wucherpfennig. Seit Jahren wird die Entscheidung zur Einstellung der Förderung des „Flugplatzes“ Leipzig Altenburg Airport zu Gunsten des Flughafens Erfurt gefordert. Die Gründe scheinen einleuchtend: Ein Land mit rund 2,2 Millionen Einwohnern kann sich nur einen Flughafen leisten. Erfurt liegt zentral, besitzt eine gute Verkehrsanbindung und der Airport ist am besten ausgebaut. Das „Gemeinsame Luftverkehrskonzept für Mitteldeutschland“, die Förderung und Abstimmung der Flughäfen Dresden, Leipzig und Erfurt, scheint vergessen. Die Landesregierung investiert aktuell rund 2 Millionen Euro an Fördergeldern für die Instandsetzung des Flughafens. Nicht zu sprechen von der Finanzierung sämtlicher Flughafeneinrichtungen bzw. Behörden. Und weil es so schön ist, gleich noch mal das Ganze für den Flughafen Erfurt. Und wozu das alles? Vielleicht für Wählerstimmen, aus Bequemlichkeit oder um die Londonverbindung (die aktuell einzige Linie des Flughafens Altenburg) dem Airport Leipzig-Halle „abzunehmen“. Die Rentabilität darf bezweifelt werden.
Es fehlt beiden Airports an einem eindeutigen Profil. So wird Gedanken zur Etablierung Erfurts als renommierter Charter-, Linien- und Frachtflughafen nur halbherzig nachgegangen. Kurzfristiges Denken behindert Verhandlungen über neue Projekte. Beim Altenburger Flughafen, dessen Fortbestehen ja beschlossene Sache ist, sollte das Ziel sein, sich als Regionalflugplatz für Billigflieger in Mitteldeutschland zu profilieren.
Während das Verkehrsministerium seinen Beitrag zur „Mäßignutzung“ beider Flughäfen leistet, nahm Herr Gerd Ballentin das Problem selbst in die Hand. Er fälschte im Jahr 2000 die Passagierzahlen, um mehr Förderung vom Freistaat zu erhalten. Dieser – für den Flughafen und auch für ihn selbst – „gut gemeinte“ Gesetzesverstoß brachte Ballentin vor Gericht. Das Gegenteil von „gut“ ist nun mal doch „gut gemeint“. Aber zumindest brachte er den Flughafen in den Mittelpunkt des Interesses der Medien.
Hier sind wir schon bei einem weiteren großen Problem des Flughafens Erfurt - der Öffentlichkeitsarbeit. So stieg man erst im August 2008 auf eine ansehnliche Website um. Mit dem recht akzeptablen Ergebnis: 100.000 Besucher in den ersten 4 Monaten, Tendenz deutlich steigend. Die Werbeaktivitäten beschränken sich auf eine kleine Anzeigenkampagne in den Blättern der Zeitungsgruppe Thüringen. Weitere Aktivitäten gehen relativ unbemerkt an der Zielgruppe vorbei… Auch das Interesse der regionalen Medien am Landesairport scheint so groß, wie die Lust der Thüringer, ihren Flughafen zu nutzen. Im Terminal B des Erfurter Airports wartet ein häufig gelangweilt scheinendes und wenig motiviertes Flughafenpersonal auf die Besucher. Gerne beraten auch die ansässigen Last-Minute-Büros über Urlaubsflüge ab Leipzig/Halle und Frankfurt, da von Erfurt die Strecken angeblich stets ausgebucht sind. Klingt komisch, ist aber so! Der Erfurter Flughafen sollte mehr Anreize schaffen, um auch ausländische Touristen über diesen Airport ins Thüringer Land zu locken und dies nicht allzu sehr den Altenburgern überlassen.
Ein weiterer Punkt ist die Streckenpolitik der Airlines und des Flughafens. Einen herben Schlag stellt dabei die Einstellung der Luftfahrtgesellschaft Walter-Verbindung nach Düsseldorf dar. Der nach der Tarifoptimierung durch die Kooperation mit der Air Berlin (manche nennen sie auch Übernahme der Airline) stattgefundene Aufschwung der Strecke zeigt, dass sich auch Linien nach Erfurt etablieren können. Düsseldorf wurde vermehrt zum Umsteigen genutzt. Die Passagierzahlen stimmten. Leider stellte Air Berlin die Strecke aufgrund von Umstrukturierungen ein. Selbst bei einem Relaunch der Verbindung (es muss ja nicht gleich mit der Dash 8Q-400 sein) kann es Jahre dauern, bis so ein Einschnitt (gerade in den Köpfen der Passagiere) überwunden ist.
So bleibt den Linienpassagieren nur noch München mit der Cirrus Airlines. Die Strecke schien sich, laut Pressemitteilungen seitens der Airline, etabliert zu haben. Günstige Durchgangstarife aufgrund einer Kooperation mit Lufthansa sowie ein kontinuierliches Bedienen der Strecke machten es möglich. Auch trugen verschiedene Werbeaktionen (Gewinnspiele bei Antenne Thüringen usw.) zur Festigung der Linie bei. Aber es scheint, als hätte man das Unglück gepachtet: Ende 2008 wurde bekannt, dass die Strecke Erfurt-München neu ausgeschrieben werden soll. Die in eine allgemein schwierige Situation geratene Airline begründet dies mit einer Kostenexplosion. Eine Auslastung von lediglich 40 Prozent wurde angegeben. Ob und wie die Verbindung weitergeführt wird, steht noch in den Sternen. Es wäre allerdings schade um die Linie sowie die kleine, aber feine Airline. Doch eventuell gibt es neue Subventionsverhandlungen mit dem Freistaat. Dann könnte auch wieder Cirrus Interesse haben.
Ein häufig gelangweilt scheinendes und wenig motiviertes Flughafenpersonal wartet auf Ihren Besuch im Terminal B des Erfurter Airports. Gerne beraten sie auch die ansässigen Last-Minute-Büros über Urlaubsflüge ab Leipzig/Halle und Frankfurt, da von Erfurt die Strecken angeblich stets ausgebucht sind. Klingt komisch, ist aber so!
Bleibt nur zu hoffen, dass die zuständigen Personen langsam aufwachen und etwas tun. Neue Servicekonzepte, Marketing und Zusammenarbeit mit zuverlässigen Partnern. Es wäre sehr schade, wenn der Flughafen Erfurt durch falsche Politik und mangelhaftes Management in der Bedeutungslosigkeit verschwinden würde. Die Konkurrenz schläft nicht, die Altenburger sind durchaus kreativ. Ab März geht’s mit Ryanair ab Altenburg wieder nach Barcelona und neu nach Edinburgh. Auf ein spannendes Kriesenjahr 2009 !!!
Weiterführende Links:
Flughafen Erfurt; Wikipedia Flughafen Erfurt;
Thüringer Luftfahrtforum; Bilder von Cirrus Airlines
und LGW am Flughafen Erfurt.
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